Thailänder vergnügen sich am liebsten in der Gruppe.

Thailändische Mentalität: Wie Thais denken und fühlen. (Teil 1)

Thailändische Mentalität? Wenn Du zum ersten mal in Thailand bist, wird auf den ersten Blick vieles ganz normal aussehen. So wie Du es auch aus Deutschland gewohnt bist. Sicher, es ist heiß, das Essen ist anders, die Menschen sprechen eine andere Sprache… Aber sie fahren Autos und Motorräder, sie essen bei McDonalds und Pizza Hut. Sie lieben Handys, sind versessen auf ihre Smartphones, mit anderen Worten, vieles wirkt sehr westlich.

Manches sogar regelrecht amerikanisch, zum Beispiel die breiten Straßen und die schmalen bis nicht vorhandenen Bürgersteige. Die Neigung der Thailänder auch kürzeste Wege mit dem Auto zurückzulegen. Oder dem Motorrad, wenn man sich kein Auto leisten kann.

Um die Städte entstehen moderne Einfamilienhaussiedlungen. Thailand hat ultramoderne, kuxuriös ausgestatte Shoppingmalls. Die Supermärkte führen alle bekannten Markenprodukte, die Du auch in Deutschland bekommst. Nutella, Haribo, Maggi, Werthers Echte – es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. Dann kommt natürlich noch die Sexindustrie in Bangkok, Pattaya und anderen Orten hinzu. Dieser ganze oberflächlich so westlich wirkende Lifestyle kann dazu führen, dass Du denkst, dass Thailänder im Grunde nicht viel anders sind als wir Europäer.

Die thailändische Mentalität unterscheidet sich drastisch.

Thailand Ronald Mc Donald

Auf den ersten Blick wirkt vieles in Thailand sehr westlich.

Tatsächlich trennen uns Welten. Die Menschen in Thailand stammen aus einer völlig anderen Kultur, die sich von unserer eurpäischen, christlich geprägten Kultur radikal unterscheidet. (Ja christlich geprägt. Auch wenn in Deutschland das Christentum an Boden verliert und immer weniger Menschen in die Kirche gehen und sich andere Religionen wie der Islam ausbreiten: Das Christentum hat unsere Kultur über hunderte von Jahren geprägt. Niemand kann sich dem entziehen, das wirkt bis heute fort. Auch dann wenn Du vielleicht Atheist bist oder an das fliegende Spaghettimonster glaubst).
Thailand ist eines der relativ wenigen Länder, die vom Buddhismus geprägt sind. Die Menschen haben eine völlig andere Denkweise und eine völlig andere Mentalität.

Es ist schwer für Europäer, sich in Thailänder hineinzudenken.

Weswegen die Verständigung mit Thais nicht einfach ist und Mißverständnisse sich kaum vermeiden lassen. Der Durchschnittseuropäer weiß kaum etwas darüber, wie die Menschen in Thailand wirklich denken und fühlen. Besonders in Beziehungen zu einer Thailänderin sind damit Krisen und Probleme vorprogrammiert. Denn auch die Thais wissen nicht, wie es in der Seele eines Farangs aussieht und haben auch von uns Europäern oft völlig falsche Vorstellungen.

Wenn Du engeren Kontakt zu Thais hast, und mit offenen Augen dabei bist, wirst Du schnell merken, dass alles was in Deutschland für das Zusammenleben mit Menschen gilt, für soziale Interaktionen mit Freunden und Familienangehörigen, in Thailand keinen Wert hat. Die DInge funktionieren hier völlig anders als in Deutschland. Nicht unbedingt besser oder schlechter, aber völlig anders.

Ich möchte in diesem Artikel versuchen, Dir einen  kleinen Einblick in die mentalität der Thailänder zu geben. Vielleicht hilft dieser Artikel Dir, Deine Thaifreundin besser zu verstehen und Dich allgemein besser im Land des Lächelns zurecht zu finden.

Der Buddhismus und die Lebensphilosophie der Thais.

Thailand ist ein Land, das vom Buddhismus geprägt ist.

„Es gibt eine Vollkommenheit, tief inmitten alles Unzulänglichen. Es gibt eine Stille, tief inmitten aller Rastlosigkeit. Es gibt ein Ziel, tief inmitten aller weltlichen Sorgen. Das bist DU“ (nach Buddha).

„So sehr du auch suchst, du wirst in diesem grenzenlosen Universum niemanden finden, der deine Liebe so sehr verdient wie du selbst“ (nach Buddha).

„Jeder von uns ist ein Gott. Jeder von uns ist allwissend. Wir müssen lediglich unser Bewusstsein öffnen, um unserer eigenen Weisheit zu lauschen“ (nach Buddha).

Man könnte die Kernaussage so zusammenfassen: Mach dein Lebensglück nicht von äußeren Gegebenheiten abhängig. Nicht von deinem Lebenspartner, nicht von Deiner familie, Nicht von Deinem Gott oder von was auch immer. EIne andere wichtige Säule des Buddhismus ist die Grundregel: „Nichts böses denken. Nichts böses sagen. Nichts böses tun.“ Wut, Groll und Aggression sind Emotionen, die in der Öffentlichkeit und im Umgang mit anderen Menschen nichts verloren haben.

Die thailändische Mentalität: Höflichkeit und gutes Benehmen stehen ganz oben.

Groll mit uns herumtragen ist wie das Greifen nach einem glühenden Stück Kohle in der Absicht, es nach jemandem zu werfen. Man verbrennt sich nur selbst dabei. (Buddha)

Höflichkeit und gutes Benehmen stehen in Thailand ganz oben auf der Werteskala. Höflichkeit hat dabei nicht dieselbe Bedeutung wie in Europa oder Nordamerika. Bei uns hat Höflichkeit viel mit eingeübten Ritualen zu tun. „Bitte“ und “ danke sagen“. Die Tür aufhalten. Der Damein den Mantel helfen. Behinderten und Alten den Sitzplatz im Bus anbieten. In Thailand ist es mehr eine emotionale Sache. Es geht vor allem darum, andere menschen nicht zu belasten und Konflikte zu vermeiden. Genau, es geht um die Sache mit dem „Gesicht“.  Es ist das A und O sich so zu verhalten, dass andere Menschen sich nicht unwohl fühlen.

Dazu gehört, nicht laut zu reden, andere niemals in der Öffentlichkeit zu kritisieren, nicht mit anderen Menschen zu streiten, andere herabzusetzen. Mitmenschen in besserwisserischer Weise zu belehren. Nicht aufdringlich zu sein. Niemanden sexuell zu belästigen und zu bedrängen. Andere nicht unter Druck zu setzen. Mit anderen Worten, es geht darum, für seine Mitmenschen in keiner Weise unangenehm zu sein.

Das bedeutet für Dich zum Beispiel, niemals mit Deiner Freundin/Ehefrau oder mit deinen Thaifreunden in der Öffentlichkeit zu streiten oder zu laut zu diskutieren. Komm niemals auf die idee, deine Freundin zu kritisieren, wenn ihre Familie oder ihre Freundinnen dabei sind. Oder überhaupt andere menschen. Und Thailänder sind sehr gesellig. Es sind praktisch immer andere Menschen da.

Ideal: In jeder Lebenslage ein „kaltes Herz“ bewahren.

Emotionen, zumindest negative Emotionen zu zeigen, ist verpönt. Es gilt als erstrebenswert, in jeder Lebenslage ein „kaltes Herz“ zu bewahren, sich also nicht zu unbedachten emotionalen Äußerungen hinreißen zu lassen. Für uns ist das ungewohnt, weil wir in Europa unseem Unmut relativ freien Lauf lassen. Gerade in deutschland ist Meckern, Nörgeln und sich beschweren ja geradezu ein Volkssport. Auch der typisch deutsche Drang, andere Menschen in oberlehrerhafter Art mit dreißig Zentimeter langem erhobenen Zeigefinger zu belehren, wird in Thailand auf wenig Gegenliebe stoßen. (Man wird Dich schlicht meiden).

Reich sein an Wahrheit, Fleiß, tugendhafter Beherrschung, dabei gute Worte führen, das bringt höchstes Heil. (Buddha)

Thailänder handeln dabei aus ihrer Sicht völlig rational. Wer anderen Menschen nichts Unangenehmes tut, sorgt dafür, dass ihm selbst nichts Unangenehmes geschieht. „Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu.“ Übrigens: Auch wenn es die Thais von klein auf so lernen – auch in Thailand gibt es impulsive Choleriker, denen es viel Selbstbeherrschung abverlangt, immer ein „kaltes Herz“ zu bewahren …

Die Thais und das liebe Geld.

Thailändische Mentalität: Thailand und Geld.

Große Anschaffungen werden meistens auf Pump finanziert

Wenn Du eine Thailänderin als Freundin oder Ehefrau hast, musst Du Dir über eins klar sein: Thais sind keine geizigen Menschen. Und eine Thailänderin ist keine Frau für einen geizigen Mann. Thais haben eine sehr lockere Beziehung zum Geld. Sie haben zwar schon einmal davon gehört, dass man Geld sparen kann, um dafür Zinsen zu bekommen, aber die Grundidee ist ihnen fremd. Thailänder leben im Hier und jetzt und werde daher weder eine Lebensversicherung mit 30 Jahren Laufzeit abschließen noch jeden Monat Geld auf ein Sparkonto einzahlen. Geld das eingenommen wird, wird ebenso schnell wieder ausgegeben. Zusätzliche Ausgaben werden dich Aufnahme von Schulden beglichen. Ratenkäufe sind absolut an der Tagesordnung.

Schulden werden zum Problem.

Ich glaube es es gibt kaum einen Haushalt in Thailand, der nicht bis ans Limit seiner Möglichkeiten verschuldet ist. Es wird geborgt und gepumpt, was das Zeug hält. Nicht nur bei Banken, auch bei inoffiziellen Geldverleihern, die oft Wucherzinsen nehmen und ebenso bei Freunden, Bekannten und Verwandten. Es gehören für einen Deutschen gute Nerven dazu, sich das anzusehen. Jedenfalls wenn man selber dazu erzogen worden ist, nur geld auszugeben, das man auch tatsächlich hat. Deine Thaifrau wird mit unerschütterlichem Optimismus darauf vertrauen, das schon wiede rgenügend Geld hereinkommen wird. Und Du schon genug verdienen wirst. Dafür betet sie ja schließlich auch, opfert den geistern, und besucht den Tempel, um das Schicksal und die Geister wohlgesinnt zu stimmen. Ein wichtiger Tipp: Sag Ihr niemals, wieviel Du verdienst und lege immer vorher was auf die hohe Kante. Und lass sie nie etwas von Deinen Ersparnissen wissen. Es ist besser. Volkswirtschaftlich ist die Überschuldung der privaten Haushalte inzwischen ein Problem, dass auch die thailändische Regierung beunruhigt.

Thai-Chinesen sind anders.

Übrigens sind etwa 15 % der Thais chinesicher Abstammung. Diese chinesischstämmige Minderheit hat ein anderes Verhältnis zum Geld. Man sagt, Thais verdienen 100 % und geben 110% ihres Geldes aus. Thaichinesen verdienen 100 % und geben 10 % ihres Geldes aus. Kein Wunder, dass die chinesischstämmigen Thais einen Großteil der Unternehmer und viele Regierungsmitglieder stellen. Die materielle Ungleichheit in der thailändischen Gesellschaft ist enorm. Es gibt eine extrem reiche Oberschicht, die die gesamte Wirtschaft des Landes kontrolliert

Thailänder sind Gruppenmenschen

Thailänder vergnügen sich am liebsten in der Gruppe.

Thailänder vergnügen sich am liebsten in der Gruppe.

Vielleicht einer der größten Unterschiede in der thailändischen Mentalität ist das Verhältnis der Menschen zur Gruppe. In Thailand spielt Individualität keine große Rolle. Schon in der Schule werden die Kinder vor allem dazu erzogen, gute Gruppenmitglieder zu sein.

Die wichtigsten Ziele der Grundschul-Ausbildung:

  • Das Verstehen der eigenen Person, der natürlichen Umwelt und des sozialen Wandels.
  • Die Fähigkeit, Sorge zu tragen für seine eigene Gesundheit und die der Familie.
  • Die Fähigkeit, die Gründe für persönliche Probleme und die der Familie zu identifizieren und wissenschaftliches Denken anzuwenden, um Wege und Mittel vorzuschlagen, um diese Probleme zu lösen.
  • Der Stolz ein Thai zu sein, Selbstlosigkeit, ehrliche Gesinnung.
  • Die Fähigkeit, glücklich mit anderen zusammen zu leben.
  • Das Wissen und Verstehen von sozialen Bedingungen und des Wandels zuhause und in der Gemeinde.
  • Die Fähigkeit, Verantwortlichkeiten auszuführen als gute Mitglieder der Familie und der Gemeinde.
  • Und bei den Pfadfindern lernen sie zudem noch: „Harmonie erfahren – anderen Menschen helfen – jedem Menschen ein Freund sein – vor Schwierigkeiten nicht zurückschrecken“.

Die Familie, Die Firmenbelegschaft, die Sportmannschaft, das Dorf, im übergordneten die Nation mit dem König an der Spitze: Für Thais ist es wichtig, sich harmonisch in ihre soziale Gruppe einzufügen. Thais sind gesellig und ungerne alleine. Grübeln im stillen Kämmerchen gehört nicht zu den bevorzugten Tätigkeiten. Europäer verwenden viel Mühe darauf, ihre Individualität zu betonen und sich von anderen Menschen abzuheben. Thailänder legen darauf nur wenig wert. Wichtiger ist es, sich gut in seine jeweilige soziale Gruppe einzufügen. Auch das ausgeprägte Konkurrenzdenken der Europäer ist den Thailändern fremd.

Thailänder streben nicht danach, sich von der Leistung anderer abzuheben und mehr zu leisten als der Kollege oder der Mitschüler. Natürlich versuchen sie gute Arbeit zu leisten und ihr bestes zu geben. Aber sie tun das nicht mit dem Ziel, andere zu übertrumpfen und zu schlagen.

Auch in der Nationalhyme wird die Zusammengehörigkeit betont:

Thailänder und Familie.

Die Familie ist der Dreh- und Angelpunkt der thailändischen Gesellschaft. Thailand hat kein staatliches Sozialsystem wie Deutschland und die Familie ist das wichtigste Sicherheitsnetz in Notlagen. Eltern tun alles, um ihren Lindern zu helfen und ebenso sind die Kinder verpflichtet, im Alter ihren Eltern zur Seite zu stehen. Es sind besonders die Töchter, die eine besonders enge Bindung an die Eltern haben. Im Zweifel ist die Bindung an die Familie auch wichtiger als die Bindung an den Ehepartner. Thais, die abseits von ihrer Familie arbeiten müssen und zum Beispiel vom flachen Land nach Bangkok ziehen, legen großen Wert darauf, ihre Familien in ihrem Heimatdorf regelmäßig zu besuchen. An Feiertagen macht sich von Bangkok eine regelrechte Völkerwanderung von der Stadt aufs Land auf den Weg.

Alte Menschen werden mit wesentlich mehr Respekt und Hochachtung behandelt als in Deutschland. Altersheime sind in Thailand praktisch unbekannt. Allerdings ist die Lebenserwartung auch geringer als in Deutschland und es kommt relativ selten vor, dass Menschen das achtzigste Lebensjahr nennenswert überschreiten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt irgendwo in der Nähe von 70 Jahren.

Hier geht es weiter zum Zweiten Teil dieses Artikel. Du lernst etwas über das Verhältnis von Thais zu Kindern und was es mit Spaß und Freizeit in der thailändischen Gesellschaft auf sich hat.

 

Über den Autor Markus

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