Thailändische Mentalität: Kinder sind wichtig.

Thailändische Mentalität – Wie Thais denken und fühlen (Teil 2)

Wie ticken die Thais? Wenn Du in Thailand leben willst, musst Du Dich mit der Mentalität und Denkweise der  Menschen vertraut machen. In diesem Teil wollen wir uns ansehen, wie das Verhältnis der Thailänder zu ihren Kindern ist, was es mit dem legendären Lächeln auf sich hat und wie Thailänder am liebsten ihre Freizeit verbringen.

Thailand: Ein Paradies für Kinder?

Thailändische Mentalität: Kinder sind wichtig.In Sachen Kindererziehung trennen Thailand und Deutschland Welten. Das Verhältnis zu Kindern könnte in beiden Ländern kaum unterschiedlicher sein. Während Kinder in Deutschland mehr und mehr als Belastung gesehen werden und immer mehr Paare kinderlos bleiben, sieht es in Thailand völlig anders aus. Für die meisten thailändischen Frauen steht der Wunsch nach Kindern ganz oben. Fast alle Thais lieben und vergöttern Kinder geradezu. Es gibt wohl nur wenige Länder, in denen Kinder einen so hohen gesellschaftlichen Stellenwert haben, wie in Thailand.

Kinder haben in Thailand praktisch Narrenfreiheit. Kinder werden so gut wie nie getadelt oder zurechtgewiesen und es wird alles unterlassen, was das Selbstvertrauen der Kinder irgendwie schädigen könnte.

Der Unterschied zwischen Deutschland und Thailand wird besonders deutlich in öffentlichen Verkehrsmitteln: Wer mit dem BTS Skytrain in Bangkok fährt, wird Schilder bemerken, die Passagiere dazu auffordern, ihren Sitzplatz Mönchen, Kindern, Schwangeren und Alten anzubieten. In dieser Reihenfolge. Die Kinder rangieren also in der Rangfolge um Sitzplätze gleich nach den Mönchen und noch vor Schwangeren Frauen oder Alten.

Die Großfamilie gibt Geborgenheit

Thailändische Kinder wachsen fast immer in einer Großfamilie auf. Auch in den Städten ist die Großfamilie in Thailand immer noch die vorherrschende Lebensform. Zumindest die Großeltern wohnen meistens noch mit der Kernfamilie zusammen. Auf diese Weise sind die Großeltern praktisch immer in die Kindererziehung mit einbezogen. Viele Kinder werden sogar hauptsächlich von den Großeltern oder Onkeln und Tanten erzogen, weil die Eltern den größten Teil des Tages abwesend sind und arbeiten müssen.

Kinder in Thailand haben deutlich mehr Bezugspersonen in der Familie und auch in der unmittelbaren Umgebung als in Deutschland. Es ist ganz selbstverständlich, dass auch die Nachbarn ein Auge auf die Kinder haben. Weil die Kinder mehr in ihr soziales Umfeld eingebunden sind und sich nicht nur die Eltern verantwortlich fühlen, werden sie bei einer Trennung der Eltern weniger traumatisiert, als das in Deutschland der Fall ist. Leider kommen Trennungen häufig vor. Gerade in der Unterschicht ist es keine Seltenheit, dass die Männer irgendwann ihre Frau samt Kindern im Stich lassen und sich eine jüngere Frau suchen, mit der sie dann eine neue Beziehung eingehen. Es kommt häufig vor, das Kinder in Thailand mit wenig Kontakt zum leiblichen Vater aufwachsen. Auch das Kinder statt von den Eltern hauptsächlich von nahen Verwandten wie Großeltern, Onkeln, Tanten oder älteren geschwistern aufgezogen werden, ist keine Seltenheit. Als großes Problem wird diese geringe Haltbarkeit thailändischer Ehen offenbar nicht betrachtet.

Jedes Jahr wird in Thailand der „Tag des Kindes“ begangen. An diesem Tag werden die Kinder besonders geehrt und es wird landesweit gefeiert. Es werden Hüpfburgen und andere Spielmöglichkeiten für die Kinder aufgebaut.

Thailand das Land des Lächelns?

Thailand wird – zumindest in der englischen Literatur auch als „LOS“ bezeichnet. Als „Land of Smile“, also „Land des Lächelns“. Und in der Tat kannst Du  in Thailand überall Menschen lächeln sehen. Lächeln in Thailand bedeutet nicht dasselbe wie lächeln bei uns. Es drückt keineswegs immer Freude oder Zuneigung aus. Tatsächlich gibt es sehr viele Gelegenheiten, bei denen Thailänder lächeln:

  • Wenn sie verlegen sind
  • Wenn Sie einen Fehler gemacht haben
  • Wenn Sie einer höhergestellten Person begegnen. (Den thailändischen König sieht man praktisch nie lächeln oder gar lachen. Er hat das einfach nicht nötig, denn er ist die ranghöchste Person in Thailand und muss niemanden durch Lächeln wohlwollend stimmen).
  • Das Lächeln kann Dir auch entgegengebracht werden, weil Du schlicht Kunde bist und freundlich behandelt werden sollst.
  • Selbstverständlich heißt das nicht, dass Thais niemals aus Sympathie lächeln oder humorlos sind. Im Gegenteil. Aber es gibt eben verschiedene Arten des Lächelns und das Lächeln aus Sympathie ist nur eine der möglichen Varianten.

Lächeln hat in Thailand häufig die Funktion, Konflikte zu entschärfen. Es signalisiert oft Unterwürfigkeit gegenüber ranghöheren Personen.

Nur weil Thailänder häufig lächeln, sollte man als Farang nicht den Fehler machen, ständig wie ein Idiot grinsend durch die Gegend zu laufen. Ein Lächeln ist in den meisten Fällen zwar nicht verkehrt, es gibt aber auch Situationen, wo ein Lächeln unangebracht ist. Wenn Dich zum Beispiel im Restaurant die Bedienung anlächelt, ist es nicht notwendig oder sinnvoll, die ganze Zeit zurückzulächeln. Denn die Bedienung will Dir mit ihrem Lächeln nicht ihre Sympathie zeigen, sondern es ist ein Lächeln, dass sie Dir in deiner Funktion als höherrangiger Person, in Deiner Eigenschaft als Kunde entgegenbringt.

Du siehst Thailänder auch auf Porträtfotos meistens eher ernst dreinschauen. Auf den typischen Selfie-Schnappschüssen mit Freunden wird dagegen gegrinst, was das Zeug hält…

Was machen Thailänder in ihrer Freizeit?

Beim Strandausflug spielt Baden meist eine untergeordnete Rolle.

Beim Strandausflug spielt Baden meist eine untergeordnete Rolle.

Thailänder haben ein anderes Verhältnis zu Freizeit und Urlaub als Westeuropäer oder Amerikaner. Zum einen verbringen Thais ihre Freizeit am liebsten in Gesellschaft. Gruppenaktivitäten stehen hoch im Kurs. Egal ob mit der Familie, mit Arbeitskollegen oder in einer Freundesclique: Thais sind ein geselliges Völkchen. Thailänder sind in ihrer Freizeit nur ungern allein. Es werden Aktivitäten bevorzugt, die leichte Zerstreuung und viel Geselligkeit bieten. Der Besuch klassischer Opern gehört zum Beispiel nicht zu den typischen Freizeitbeschäftigungen. Eine Lieblingsbeschäftigung sind gemeinsame Restaurantbesuche. Thailändische Restaurants, in denen Thaifood serviert wird, versteht sich.Essen ist definitiv eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Thais.

Essen ist wichtig – Fastfood ist (leider) auf dem Vormarsch

Inzwischen finden Thais allerdings auch an manchen westlichen Gerichten wie beispielsweise Pizza und Pasta Gefallen. Auch Burger und die Fastfoodkette KFC erfeuen sich großer Beliebtheit. In Bangkok sprießen die Filialen von KFC und McDonalds wie Pilze aus dem Boden. Es wird allgemein viel auswärts gegessen und eher wenig zu Hause gekocht. Auswärts essen ist billig und eine Mahlzeit ist schon für 2 Euro zu haben. Wenn Ausflüge mit Familie oder Freunden unternommen werden, dann gehört es in jedem Fall dazu, unterwegs irgendwo essen zu gehen. Und wenn das nicht ohne weiteres möglich ist, wird wenigstens ein üppiges Picknick gemacht.

Sport darf nicht anstrengend sein.

Von körperlicher Anstrengung halten Thais wenig. Weder Radfahren noch Wandern stehen besonders hoch im Kurs. Auch Schwimmen ist keine typische Freizeitbeschäftigung. Es gibt in öffentlichen Parks Gruppen, wo gemeinsam ein wenig Aerobic praktiziert wird. Sport muss in Thailand Spaß machen, Gelegenheit zum geselligen Beisammensein bieten und darf vor allen DIngen nicht in ernsthafte Anstrengung ausarten.

DIe meisten Thais sind körperlicher Bewegung abgeneigt und so werden auch kürzeste Wege mit dem Motorroller, oder wenn vorhanden, mit dem Auto zurückgelegt.

Sonnenbad? Nein Danke!

Strandausflüge mit Freunden oder Familie sind sehr beliebt. Aber Thais verhalten sich am Strand völlig anders als Westler. Zum einen liegen Thais nicht stundenlang in der Sonne. Schon die Idee erscheint den meisten Thailändern völlig absurd. Zum einen ist es viel zu langweilig, solange einfach nur da zu werden. Zum anderen meiden Thais die Sonne so gründlich wie möglich, das braune Haut dem thailändischen Schönheitsideal komplett zuwider läuft. Thailänder, egal ob Männer oder Frauen möchten gerne möglichst helle Haut haben. Für die chinesischstämmigen Thais ist dieses Ziel noch halbwegs erreichbar, die Menschen die ethnisch reine Thailänder sind haben damit ein schwer zu erreichendes Ziel.

Die meisten Thailänder sind Nichtschwimmer. Also steht auch Schwimmen nicht allzu hoch im Kurs. SIcher, es wird etwas geplanscht und gebadet. Viele bleiben aber auch auf dem sicheren Strand. Mit Sonnenschirmen vor der Sonne geschützt und auf bequemen Liegestühlen wird geplaudert und sich entspannt. Und natürlich bietet der Strand die Gelegenheit, ein großes Picknick zu sich zu nehmen.

Hier geht es zurück zum 1. Teil „Wie Thais denken und Fühlen“ – Die thailändische Mentalität.

Hier geht es zum 3. Teil: „Wie Thais denken und fühlen“ – Die thailändische Mentalität

 

 

Über den Autor Markus

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